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Viktoria Quartier

150 Jahre Brautradition am Kreuzberg

Ein Standort mit Tradition – vor 150 Jahren wurde am Kreuzberg das erste Bier gebraut. Die denkmalgeschützte Industriearchitektur ist heute der Rahmen für neues Leben: Wohnen im Brauhofgarten.

Schon lange war der Südhang des Kreuzberges als Ausflugsziel beliebt. Vor den Toren der Großstadt gelegen, bot der Berg schon damals ein einzigartiges Aussichtspanorama. Seit 1829 kam nach Pariser Vorbild der Freizeitpark „Tivoli“ hinzu, der über einen eigenen Biergarten verfügte. Bei gutem Wetter traf man sich hier mit „Kind und Kegel“.

Mit zunehmender Beliebtheit des Vergnügungsgartens kam pfiffigen Geschäftsleuten die Idee einer eigenen Brauerei: 1857 wurde an der Methfesselstraße, die damals Lichterfelder Straße hieß, die „Berliner Braugesellschaft Tivoli“ gegründet. Das Gründungsdatum jährt sich im Jahr 2007 zum 150. Mal – obwohl nicht mehr gebraut wird, ein Grund zu feiern.

Die beliebten Biere der Tivoli-Brauerei trugen als unverwechselbares Erkennungszeichen stets das Eiserne Kreuz des Nationaldenkmals auf der Bergspitze im Etikett. Dieses vaterländische Symbol zeichnet der Architekt Karl-Friedrichs Schinkel nach einer Idee des preußischen Königs Friedrich-Wilhelm III. als Auszeichnung für die Befreiungskriege gegen Napoleon. Nach 1920 gab das Eiserne Kreuz auch dem heute weltberühmten Berliner Szenestadtteil Kreuzberg seinen Namen, weil es die Spitze des Schinkel-Denkmals ziert.

Die Tivoli-Brauerei entwickelte sich zur zweitgrößten Brauerei Berlins. Zunehmend empfang die Schultheiß-Brauerei mit ihrem Hauptsitz an der Schönhauser Allee am Prenzlauer Berg, heute befindet sich darin die Kulturbrauerei, das Bier mit dem Kreuz als lästige Konkurrenz. Besonders interessiert waren „Schultheissianer“ an den fast 20.000 Quadratmeter großen Tiefkellern unter dem Kreuzberg. So konnte vor Erfindung des Kühlschranks das gebraute Bier im Sommer länger frisch gehalten werden.

Bei einem Börsenkrieg kam es 1891 zu einer „feindlichen“ Übernahme der Tivoli-Brauerei durch Schultheiß. Das heutige Viktoria-Quartier hieß fortan „Abteilung II.“ der Schultheiß-Brauerei und war für die Belieferung Süd-Berlins zuständig. Aus der Schönhauser Allee, der „Abteilung I.“, wurde weiter der Norden der Reichshauptstadt versorgt.

Schnell wurde der Bierkonzern größer. Die Konkurrenz war „geschluckt“ und die Kapazitäten wuchsen. Wurden 1871 noch 100.000 Hektoliter Pils gebraut, waren es 1905 schon 500.000 Hektoliter. Der Name Schultheiß-Bier wurde bis heute zum Synonym für Berliner Bier:
„Was trinken wir – Schultheiß-Bier“.

1993 schlossen die Eigentümer die Braustätte am Kreuzberg und zogen sich in die Schultheiß-Zentrale nach Weißensee zurück. Hier ist heute noch die Berliner Niederlassung der zu Dr. Oetker gehörigen Radeberger Gruppe ansässig, zu der auch die Marke Schultheiß zählt. Der Grundstein für das Viktoria Quartier wurde 1999 gelegt. Damit begann die Revitalisierung des unter Denkmalschutz stehenden Industrieareals mit dem Umbau des Schmiedehofes. Der Brauhofgarten ist nun der dritte Abschnitt des über fünf Hektar großen Areals, der zu Wohnzwecken umgenutzt wird.


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